Aufstehen ohne Wecker – mehr Lebensqualität

Schlaf ist für mich eines der wichtigsten Dinge. Sowohl für meine persönliche Ausgeglichenheit als auch für meine Gesundheit. Schlafe ich über einen längeren Zeitraum zu wenig, bin ich nicht nur leichter gereizt sondern merke zudem auch, dass mein Immunsystem geschwächt wird. Doch seit dem ersten Tag meiner schulischen Laufbahn habe ich einen natürlichen Feind: den Wecker! Schon als Kind bin ich per Weckerklingeln nur schwer aus den Federn gekommen und als Teenie natürlich umso schwerer. Man möchte meinen, ich hätte mich irgendwann daran gewöhnt und meinen „Rhythmus“ gefunden aber nein, Aufstehen mit Wecker fällt mir nach wie vor wahnsinnig schwer. Meist werde ich aus irgendeinem Mini-Traum gerissen, fühle mich wie gerädert und drücke (natürlich) erst mal Snooze. Fluch und Segen zugleich. Denn so tief, wie ich in diesen 9 Minuten nochmal einschlafe, werde ich durch Weckerklingeln Nummer zwei nochmal unsanfter geweckt. Und dann das Ganze noch einmal. David kann das ganz und gar nicht verstehen und hüpft bereits nach dem ersten Klingeln (manches Mal schon davor – da frage ich mich schon, was man an liegen nicht mögen kann haha) aus dem Bett und überlegt nicht mal, die Äuglein nochmal zuzumachen. Hab ich auch schon mal probiert. Alleine der Gedanke daran macht mich grantig. Es bimmelt und ich muss SOFORT mein Nest verlassen? Määäh. Stattdessen hab ich seit März etwas ganz anderes ausprobiert und liebe es!

Gleich viel Schlaf nur frischer – Aufstehen ohne Wecker

Seit März diesen Jahres stelle ich mir bewusst keinen Wecker mehr. Ist gerade unendlich viel zu tun, habe ich frühmorgens einen Termin, muss zum Flughafen oder ähnliches, stelle ich natürlich einen Wecker – so sehr vertraue ich meiner inneren Uhr dann auch wieder nicht. Aber an gewöhnlichen Arbeitstagen und wenn es das Arbeitspensum zulässt, verzichte ich darauf, unsanft geweckt zu werden. Das Resultat? Gehe ich zu meinen gewohnten Zeiten zw. 22:30 und 00:00 schlafen, wache ich von selbst zwischen 6:00 und 8:00 auf – und bin AUS-GE-SCHLAFEN! Denn um den ganzen Tag über produktiv sein zu können, muss ich mich wirklich fit fühlen und das ab der ersten Minute. Ich hasse nichts mehr, als vor dem Laptop zu sitzen und eigentlich nur reinzustarren, weil die Produktivität sowas von nachgelassen hat. Lieber arbeite ich effizienter, gönne mir etwas mehr Schlaf und vertrödle aber auch nicht morgens unnötig Zeit im Bett. Denn die Zeit, die ich früher durch Snooze ja ohnehin noch länger im Bett verbracht habe, schlafe ich jetzt lieber „ordentlich“ und bin bereit, sobald ich wach bin. Nach wie vor checke ich meine ersten Mails und Social Media noch kurz vom Bett aus am Handy, aber dabei bin ich einfach schon wach und kann in den Tag starten.

Auch so etwas wie Nachmittagstief bzw. Müdigkeite kenne ich seitdem nicht mehr. Früher war ich ab vier meist super streichfähig und mir sind die Augen zugefallen. An Produktivität nicht mehr zu denken. Und sind wir uns ehrlich – wer kann wirklich auf Dauer mit viel zu wenig Schlaf den ganzen Tag über so wirklich Produktiv sein? Klar, in Spitzenzeiten geht das natürlich, aber über einen längeren Zeitraum kann mir das niemand einreden. Und auf die Gesundheit schlägt es sich allemal. Das sich jeden morgen aufquälen hab ich also hinter mir gelassen, denn ich kann einfach nichts weniger leiden, als in der ersten Sekunde des Tages schon von etwas genervt zu werden. Und wer ist vom Wecker nicht genervt? Zusätzlich habe ich herausgefunden, wie ich meine innere Uhr beeinflussen kann, um nicht erst plötzlich um 10:00 statt um 7:00 und mit 14 Stunden Schlaf aufzuwachen.

Einatmen, ausatmen und die Aufwachzeit vorsagen – meine Meditation

Ich erzähle Freunden und Bekannten immer wieder, dass ich seit einem halben Jahr ohne Wecker lebe. So ziemlich jeder ist von meinem Konzept begeistert und viele leiden ähnlich wie ich früher unter dem „Snooze Problem“ – keiner will/kann sofort aufstehen, aber wacher ist man nach der halben Stunde (oder wie lange auch immer) Snooze, in der man nicht mehr wirklich schläft auch nicht – warum also nicht gleich noch länger schlafen? Einige meinten jedoch, sie würden bestimmt weit über 8 Stunden schlafen und von selbst nicht wach werden. Ich muss zugeben, dass ich beim ersten Mal ohne Wecker stellen auch sehr skeptisch war, ob ich nicht bis Mittag schlafen würde.

Aber ich hab eine Art Meditation für mich gefunden, die mich nicht nur schnell einschlafen, sondern auch leichter aufwachen lässt. Ich kann eigentlich immer sehr leicht einschlafen aber manches Mal schwirren mir einfach tausend Sachen durch den Kopf und ich wälze mich von einer Seite auf die andere. Merke ich, dass ich nicht sofort „weg“ bin, konzentriere ich mich auf meine Atmung. Ich zähle dabei aber keine Sekunden, wie manche Atemtechniken bzw. Schlaf-Tricks vorschlagen …hab ich mal probiert und war danach einfach nur viel aufgewühlter, weil die vorgeschlagene Sekundenzahl von Einatmen – Atem anhalten – Ausatmen einfach gar nicht zu mir passte. Stattdessen konzentriere ich mich einzig darauf, meine Atmung zu verlangsamen und ganz tief zu atmen. Dadurch merke ich, dass ich viel ruhiger und entspannter werde und zusätzlich weniger nachdenke. Kurze Zeit danach bin ich meist schon eingeschlafen.

Zusätzlich sage ich mir im Kopf immer und immer wieder die Zeit vor, zu der ich aufwachen und ausgeschlafen sein möchte. Schlafe ich eine für meinen Körper angebrachte Zeit (zwischen 7 und 8 Stunden), kann ich mich auch mit ziemlicher Sicherheit darauf verlassen, tatsächlich Rund um diese Uhrzeit von selbst wach zu werden und bin dabei sehr fit. Mein Körper merkt selbst, wann er genug hat und schlägt mir aber nicht vor, mich mitten in einem Traum zu wecken.

Schlaf ist Luxus

Ich bin mir dessen sehr wohl bewusst, dass es ein absoluter Luxus ist, ohne Wecker aufstehen zu können. Für mich macht es derzeit aber (an den meisten Tagen) einfach keinen Unteschied, ob ich um 8:00 oder 9:00 zu arbeiten beginne. Warum also sollte ich mich jeden Tag zu einer bestimmten Uhrzeit aus dem Bett quälen (und für mich war es tatsächlich oft eine Qual), nur um dann ein Stück weniger produktiv zu sein, nur weil es „normal“ ist, dass man früh morgens von einem Wecker geweckt wird. Ich habe schon zu viele Monate und Jahre damit verbracht, auch am Wochenende nicht ausschlafen zu können, weil ich neben einem Doppelstudium auch noch einen 25h Job hatte und somit Samstag und Sonntag auf der Bibliothek verbracht habe. Für diese Zeit war es vollkommen ok und wie ich mit einer Freundin vor kurzem erst wieder feststellen musste auch eine der schönsten Zeiten überhaupt – aber solange ich kann und keine Verpflichtungen habe, früher als jetzt aufstehen zu müssen, werde ich es beibehalten, wann auch immer es möglich ist, ohne Wecker aufzustehen :) (sorry an alle Mamas – ihr hasst mich dafür wahrscheinlich am meisten, denn euer „Wecker“ lässt sich nicht abstellen …aber es wird vermutlich die Zeit kommen, da werde ich jammern und ihr nur schmunzeln ;-))

4 Comments Aufstehen ohne Wecker – mehr Lebensqualität

  1. Julie 30. August 2017 at 16:56

    :D Dein letzter Satz hat mich zum Schmunzeln gebracht – ich bin Mama von zwei Kindern und mein täglicher Wecker ist süße 2 Jahre alt. Ich glaube sie verwendet das gleiche System wie du :)) Steht jeden Tag zur gleichen Zeit neben meinem Bett und flüstert mir „Guten Morgen“ zu. Die Snooze-Funktion werd ich ihr in den kommenden Jahren noch aneignen :D

    Liebe Grüße

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    1. bianca 30. August 2017 at 17:40

      Ich glaube ich hab beim Tippen der letzten Zeilen die rollenden Augen so mancher Mamas schon gespürt :D Solange sie noch keine Snooze-Funktion hat – probier doch mal dir ihre übliche Aufstehzeit vorzusagen vor dem Einschlafen – ich bin immer wieder erstaunt, wie wach ich dann morgens bin. Heute um 1:30 schlafen gegangen und trotzdem war ich um 7:30 (fast) putzmunter :)

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  2. Manuela 31. August 2017 at 5:33

    Ein tolles Konzept! Ich hab dafür meinen Urlaub und die Spätschicht reserviert – da gibt´s dann einfach auch keine Termine die ich vor 9 Uhr ausmache, weil ich sonst wieder einen Wecker bräuchte. Der Unterschied ob mit oder ohne Wecker ist bei mir ziemlich deutlich. Sogar wenn ich gleich viel Schlaf gekriegt hab bin ich mit Wecker nicht so richtig bereit für den Tag :D
    Unlängst bin ich zum Frühdienst von selbst um 2 Uhr früh aufgewacht. Und rate mal was passiert ist! Ich war plötzlich mal kein Morgenmuffel!
    Alles Liebe
    Manuela

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    1. bianca 31. August 2017 at 12:50

      Geht mir ganz genauso – da geht’s wahrscheinlich nur um ein paar Minuten, die man einfach mehr braucht. Bei mir sind das auch immer ganz kurze Träume aus denen ich mit Wecker raus gerissen werde …und unser Körper dankt es uns bestimmt, wenn wir ihm die Ruhe geben :)

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